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Allerhöchste Eisenbahn

Auszüge aus Mainpost, 27. April 2009

Oberwerrn kam wieder zum Zug: Bahnhaltepunkt offiziell eingeweiht

Oberwerrn. Na zdrowie: Jetzt könnte Lech Walesa wirklich auf ein Schnäpschen in Oberwerrn aussteigen. Bei der offiziellen Einweihung des neuen Bahnhaltepunkts, südlich von Kirche und Schule, wurde auch die Erinnerung an einen legendären Aprilscherz Ende der 1980er Jahre wach. Der schnauzbärtige polnische Gewerkschaftsführer (...)

Auch 2009 fehlte es nicht an Besuchern, aber verschaukelt wurde niemand: Die 210 Meter Bahnsteig, die Fahrten nach Schweinfurt zu einem Katzensprung von etwas über fünf Minuten Dauer schrumpfen lassen, sind seit Dezember in Betrieb.

Bei schönstem Frühlingswetter nun die Übergabe: Paul Prowald berichtete als Vertreter des Würzburger DB-Bahnhofsmanagements stolz von einer „rekordverdächtigen Bauzeit“. In gerade einmal zehn Wochen ist die Anlage mit Wartehäuschen, Fahrrad-Unterstand, Lichtmasten und Kartenautomat sowie Vorplatz entstanden. Ein Bau ganz auf der technischen Höhe der Zeit – etwa bei den „behindertenfreundlichen“ 55 Zentimetern, die die Bahnsteigkante über den Schienen aufragt: allerhöchste Eisenbahn.

Insgesamt gab die Bahn 650 000 Euro aus, den Umgriff gestaltet die Gemeinde im Rahmen der Dorferneuerung. Rechtzeitig zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember war der Bahnsteig fertig. Erstmals seit 32 Jahren halten seit diesem Tag wieder Züge in Oberwerrn, das bereits 1870, noch vor der Gründung des Deutschen Reichs, ans Schienennetz angeschlossen worden war.

Entgegen der landläufigen Annahme würde die Bahn durchaus auch kleine Haltepunkte schaffen, betonte Prowald: Kein (Verkehrs-)Fluss sei ohne seine Quellen denkbar. „Nun endlich werden alle Bürger Nieder- und Oberwerrns einmal zum Zug kommen“, so der Mitarbeiter der „DB Station und Service AG“. (...)

Landrat Harald Leitherer, frisch von der Eröffnung des Radelspaßes in Poppenhausen herbeigeeilt, appellierte aus diesem Anlass an die Bahn, wieder die Fahrradmitnahme in Zügen zu ermöglichen. Die Europaabgeordnete und Wahlkämpferin Anja Weisgerber betonte den Anteil der EU an dem Projekt.

Die Ehrengäste durchschnitten das weißblaue Band, bevor um 11.36 Uhr der Unterfrankenshuttle aus Schweinfurt heranrauschte: An Bord eine junge Familie aus Niederwerrn, der kleine Sohn erhält ein Stück zerschnippelten Stoff als Erinnerung an den historischen Augenblick. Dann ging es in die Schule, wo Theo Bieber Aquarelle zur Geschichte des Bahnhofs Oberwerrn ausgestellt hat. Oder in die Festscheune, wo der Vereinsring an diesem Kommunions- und Radelspaß-Sonntag zum Imbiss eingeladen hatte – dank der neuen Station auch ein bisschen näher an Polen und Lech Walesa.

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