Kultur Unterfrankens
Kultur Unterfrankens
Das Frankenland steht für Kulturland. Sein kulturelles Erbe ist vielfältig und reich. Es offenbart sich in der kleinsten Siedlung ebenso wie in den städtischen Zentren und in der abwechslungsreichen Kulturlandschaft. Es lebt in der mannigfachen Volkskunst ebenso wie in zahlreichen großartigen Kunstschätzen von europäischem Rang. Jedes Dorf hat hier seine Schätze: "Franken ist eine herrliche Schublade zum Kramen", schrieb der fränkische Essayist Max von Aufsess. Das beginnt für den Liebhaber volksnaher Kunst und Frömmigkeit schon bei den Wegkreuzen und Feldaltären, Wahrzeichen Frankens wie die für das Land ebenfalls typischen Bildstöcke, deren schönster zwischen Kitzingen und Volkach anzutreffen ist. Die reiche Kulturerbschaft setzt sich fort in der Pracht des fränkischen Fachwerkstils: Zu bewundern ist sie an vielen unterfränkischen Rathäusern und Bürgerhäusern mit ihren Erkern, Hausmadonnen, schmiedeeisernen Gittern und Zunftzeichen; der historische Marktplatz in Miltenberg ist ein Anschauungsobjekt par excellence. Ihren Höhepunkt erreicht sie in den Meisterwerken der bildenden Kunst und der Architektur, mit denen Namen wie Tilman Riemenschneider, Balthasar Neumann oder Schönborn eng verknüpft sind. Das Haus Schönborn hat für die Kunst des Barock mehr getan als so manches der großen Fürstenhäuser.
Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn leitete mit der Berufung Balthasar Neumanns (1687–1753) eine glanzvolle Zeit für Würzburg ein. Neumann, der Erbauer der Würzburger Residenz, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, und des Käppele, gab der Stadt ein neues, ein barockes Gesicht. Neben der Residenz zählt die Festung Marienberg mit ihrer dreitausendjährigen Geschichte zu den eindrucksvollsten Baudenkmälern Würzburgs, ihre Marienkirche im Burghof zu den ältesten Kirchenbauten in Deutschland. Julius Echter von Mespelbrunn ließ aus der im Jahr 1600 abgebrannten Burg ein Renaissanceschloss entstehen, dessen Komplex auch das Mainfränkische Museum mit fränkischen Kunst- und Kulturgütern von hohem Rang beherbergt. Drunten in der Stadt imponiert der gewaltige Komplex des Juliusspitals, eine Stiftung des Fürstbischofs für "Arme, Bresthafte und Kranke". Julius Echter von Mespelbrunn hat aber auch den Kirchenbau des Landes mit einer besonderen Mischung aus gotischem Maßwerk und Renaissanceformen beeinflusst und damit den nach ihm benannten Juliusstil geprägt. Viele Gotteshäuser lassen ihn schon an ihrer charakteristischen Turmspitze, dem "Juliusturm", erkennen.
Aus der weiteren Fülle kultureller Kostbarkeiten Unterfrankens können hier nur einige Glanzlichter herausgegriffen werden: In Aschaffenburg zählen hierzu die Stiftskirche mit ihrem spätromanischen Kreuzgang, das 1605 bis 1614 von Georg Ridinger erbaute Schloss Johannisburg, das als bedeutendste Schlossanlage der deutschen Spätrenaissance gilt und heute u.a. die Staatsgalerie mit Werken von Lukas Cranach birgt, das klassizistische Stadttheater und als besonderes Kleinod das Pompejanum, eine von König Ludwig I. in Auftrag gegebene Rekonstruktion eines pompejanischen Hauses.
Schweinfurt, nicht nur industrieller, sondern auch kultureller und bildungsmäßiger Mittelpunkt eines weiten Umlandes, kann unter anderem sein 1570 bis 1572 erbautes Rathaus als eines der schönsten Deutschlands aus der Renaissancezeit preisen. Um diese Jahre entstanden auch das ehemalige Zeughaus und die einstige Lateinschule der Stadt, die in der Lutherzeit zum Haupttor der Reformation in Franken geworden ist. Die Pfarrkirche St. Johannes vereinigt Stilrichtungen von der Romanik bis zur Neuzeit. Georg Meistermann schuf in der nach den Kriegszerstörungen neu aufgebauten Kirche St. Kilian mit 250 Quadratmetern das größte farbige Kirchenfenster Deutschlands.
Zeugnissen der großen fränkischen Religiosität begegnet man auch in den zahllosen anderen Kirchen des Maintales, das sich neben dem aus Tours stammenden Frankenheiligen St. Martin den heiligen Kilian zum Schutzpatron erkoren hat. In Amorbach, der Barockstadt mit dem liebreizenden Namen, erklingt in der Abteikirche der ehemaligen Benediktinerabtei die Weltruf genießende Stumm-Orgel. Zu den bekannteren Wallfahrtsorten zählen die Wallfahrtskirche "Maria im Sand" in Dettelbach wie die berühmte Andachts- und Kunststätte Maria im Weingarten auf dem Kirchberg vor den Toren der alten Weinstadt Volkach. Dort ist es vor allem Tilman Riemenschneiders "Madonna im Rosenkranz", die alljährlich ungezählte Besucher anzieht.
Tilman Riemenschneider, der begnadete Bildhauer und Bildschnitzer, der 1531 in Würzburg starb und dort seine letzte Ruhestätte fand, leuchtet wie ein Stern am Kunsthimmel Unterfrankens. Man begegnet dem Hauptmeister der deutschen Spätgotik allenthalben in diesem Bezirk. In der Stadtpfarrkirche zu Aub zählt seine Kreuzigungsgruppe zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten, in der Stadtpfarrkirche zu Münnerstadt ist es ein Altar aus seiner Hand. Man trifft auf Riemenschneider-Werke in der Stadtpfarrkirche von Hassfurt, in der Wallfahrtskirche in Hessenthal in der Pfarrkriche des Marktes Großostheim ("Beweinung Christi") wie auch in der Marienkapelle und im Dom von Würzburg.
Ein Großteil der historischen Bausubstanz Unterfrankens wurde während des Zweiten Weltkriegs zerstört oder schwer beschädigt. Alle drei unterfränkischen Zentren wurden durch Bombenangriffe der Alliierten stark getroffen. Aschaffenburg erlitt besonders in der Altstadt und am Schloss schwere Zerstörungen, erhielt jedoch durch unermüdlichen Einsatz das altvertraute Gesicht zurück. Die Industriestadt Schweinfurt wurde fast zur Hälfte zerstört, ihre Industrieanlagen sogar zu 80 Prozent. Die Stadt Würzburg verlor am 16. März 1945 bei einem Bombenangriff 85 Prozent ihrer Bausubstanz. Heute präsentiert auch sie sich wieder im Glanz des baulichen und künstlerischen Erbes, das neben der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit vor allem den Fertigkeiten einheimischer Handwerkskunst zu verdanken ist.
Hier noch einige weitere illustre Namen, die mit Unterfranken in enger Beziehung stehen: Walther von der Vogelweide, der Barde des Mittelalters, hatte in Würzburg seine liebste Wirkungsstätte und sein Grab gefunden. Florian Geyer, der Bayernführer aus fränkischem Adelsgeschlecht, wurde um 1490 auf der Burg zu Giebelstadt geboren und fand 1525 bei Rimpar in der Nähe von Würzburg den gewaltsamen Tod. In Königsberg im Landkreis Hassberge steht das Geburtshaus des Mathematikers Johannes Camillus Müller (1436–1476), der unter dem latinisierten Namen seiner Heimatstadt als "Regiomontanus" in die Geschichte der Naturwissenschaft eingegangen ist und als Erneuerer der mathematischen Wissenschaften, Erfinder astronomischer Instrumente und Schöpfer beispielgebender Kalender gilt. In Karlstadt zu Hause war der Chemiker Johann Rudolph Glauber (1604–1670), der ein maßgeblicher Begründer der chemischen Technologie war und dessen Name heute noch in dem nach ihm benannten "Glaubersalz" geläufig ist. Den Ehrennamen "Geschichtsschreiber der Deutschen" haben die Historiker Michael Ignaz Schmitt (1736–1794) aus Arnstein verliehen.
In Würzburg lehrte der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen (1845–1923) und entdeckte dort die von ihm so genannten X-Strahlen, die später seinen Namen erhielten. Ein geborener Würzburger war der impressionistische Dichter und Maler Max Dauthendey (1867–1918), und aus einer alten Würzburger Bürgerfamilie stammte auch eine der bedeutendsten Bildhauerinnen der jüngsten bayerischen Geschichte, Emy Roeder, die 1890 in der Mainmetropole geboren wurde. Zum Schluss seien noch zwei namhafte Schweinfurter erwähnt: Johann Kaspar Bundschuh, der von 1799 bis 1804 mit seinem "Geographisch-statistisch-topographischen Lexikon von Franken" eine Grundlage für die fränkische Heimatforschung geschaffen hat, und dann natürlich der große Sohn der Stadt, der Orientalist und Dichter Friedrich Rückert (1788–1866).
Damit Kultur und Wirtschaft in Unterfranken Zukunft haben, sorgen zahlreiche Bildungseinrichtungen für die Ausbildung des Nachwuchses. Der Bezirk beheimatet eine Universität sowie zwei Fachhochschulen. Die Universität Würzburg ist mit zirka 20.300 Studierenden (Stand: SoSe 2010) die drittgrößte Universität in Bayern. Ferner kann man in Würzburg an der Hochschule für Musik (750 Studenten) studieren. An der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt sind rund 7000 Studierende immatrikuliert, an der Fachhochschule Aschaffenburg sind es zirka 2000.
Auch im Bereich Natur nimmt Unterfranken aufgrund der großen Anzahl an Schutzparks und der Vielfältigkeit einen Spitzenplatz in Bayern ein. Fünf Naturparks und130 Naturschutzgebiete, darunter auch das größte außeralpine in Bayern, prägen das Landschaftsbild. Diese Naturverbundenheit und deren Schutz machen das Leben in Unterfranken lebenswert und attraktiv. Doch nicht nur für die Unterfranken… Im Weltbad Bad Kissingen waren im 19. Jahrhundert regelmäßig Könige und Kaiser zu Gast. Herrliche Kuranlagen und prächtige Jugendstilbauten am südöstlichen Rand des Naturparks Bayerische Rhön machten Bad Kissingen zum bekanntesten Kurort Deutschlands.
















